Gefäß-Lexikon von A-Z

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Suchbegriff: Protheseneigenschaften

In der Gefäßmedizin spielen Prothesen als Blutgefäßersatz (Gefäßprothesen) eine große Rolle.

Warum ist die Implantation einer Blutgefäßprothese problematisch?

Seit langen wird die ideale Prothese gesucht, aber der künstliche Ersatz eines Blutgefäßes ist auch heute noch immer die schlechtere Lösung gegenüber dem Ersatz durch ein körpereigenes Gefäß, meistens einer Hautvene (Vena saphena magna). Dies liegt daran, dass die Oberflächeneigenschaften der Innenschicht einer Prothese für den Körper (das Blut) immer noch einen Fremdkörper darstellen.

Somit liegt für das zirkulierende Blut ein Grund vor, zu gerinnen (Blutgerinnung). Bilden sich jedoch Gerinnsel in der Prothese, so verstopft sie. Werden Prothesen im Hauptschlagader- und Beckenschlagaderbereich implantiert, liegt ein so grosser Blutstrom vor, daß es selten zu einer Gerinnung in der Prothese kommt. Ist eine Prothese jedoch in Höhe des Ober- oder gar Unterschenkels implantiert, fließt das Blut langsamer, und es kommt viel eher zu einer Gerinnselbildung (Thrombosierung). Daher muss häufig, insbesondere bei sehr schlechten Schlagadern, das Blut “verdünnt” werden (Antikoagulation). Hierzu wird häufig das Medikament Marcumar® verordnet.

Gefäßprothesen gibt es aus unterschiedlichen Materialien: PTFE (Teflon), Dacron, Polyurethan. Manche sind spontan blutdicht, manche werden erst dicht, wenn das Blut in der Prothesenwand gerinnt und diese dann abdichtet.

Die Hersteller der Prothesen versuchen durch Forschung, Materialien zu finden, die einer Gefäßinnenhaut so gleichen, dass ein Gerinnungsvorgang in der Prothese nicht mehr stattfindet. Hierzu wurden sogar schon menschliche Gefäßinnenhautzellen in die Prothesen mit eingearbeitet, der Erfolg war jedoch nicht der erhoffte. Auch wurden Tierblutgefäße durch spezielle Prozesse so präpariert, dass sie sich als künstliche Blutgefäße im Menschen einsetzen liessen, ohne eine Fremdeiweißreaktion mit nachfolgender Abstossung nach sich zu ziehen. Doch leider ist diese Methode auch mit keinen besseren Ergebnissen behaftet, als der Einsatz von Kunststoffprothesen.

Immerhin sind moderne Prothesen mittlerweile so gut, dass Bypässe der Hauptschlagader oder der Beckenarterien viele Jahre ihren Dienst tun. Auch im Ober- und Unterschenkelbereich sind die Offenheitsraten lang, jedoch ist hier nach einigen Jahren mit einem Verschluss des Bypasses zu rechnen.

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